Schaumstoff aus Holzpartikeln. Aus dem nachwachsenden, natürlichen Rohstoff entstehen leichte druckfeste Dämmplatten für Gebäudefassaden. Das Verfahren dafür hat das Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI in Braunschweig entwickelt.

Immobilien müssen künftig mit noch weniger Energie auskommen als bisher. Um die strengen Anforderungen zur Energie-Einsparordnung zu erfüllen, ist eine gute Wärmedämmung von Wänden und Dächern das A und O. Dazu wird die Gebäudefassade mit wärmedämmenden Materialien ausgekleidet – klassischerweise kommen dabei Hartschaumplatten auf Basis von petrochemischen Kunststoffen oder flexible Mineralwolle-Dämmstoffe zum Einsatz.

 Ein reines Naturprodukt

»Unser Holzschaum lässt sich genauso einsetzen wie klassische Kunststoffschäume, ist dabei aber ein hundertprozentiges Naturprodukt aus nachwachsenden Rohstoffen«, erklärt Dr. Julia Scholtyssek vom WKI. Um den Schaum herzustellen, wird das Holz zunächst in feine Partikel zermahlen, bis eine schleimige Masse entsteht. In diese Suspension leiten die Wissenschaftler dann Gas, um sie aufzuschäumen. Anschließend härtet der Schaum aus, wobei die holzeigenen Stoffe den Härtungsprozess unterstützen und kein synthetischer Klebstoff erforderlich ist. »Man kann sich das ähnlich wie beim Backen vorstellen, wenn der Teig im Ofen aufgeht und fest wird«, beschreibt Dr. Julia Scholtyssek das Verfahren. Das Ergebnis ist ein leichter Grundwerkstoff, der sich zu Hartschaumplatten weiterverarbeiten lässt.

Holzfasern und Wasser werden zu einer Suspension aufgemahlen und aufgeschäumt. *** Local Caption *** Faser, Holzschleim, Holzschaum

Holzfasern und Wasser werden zu einer Suspension aufgemahlen und aufgeschäumt.

Gute Dämmeigenschaften

Zwar gibt es heute bereits Dämmstoffe auf Holzbasis, etwa Vliese aus Holzfasern oder Holzwolle. Ihr Nachteil ist, dass sie fasern und weniger formstabil sind als Dämmmaterialien aus Kunststoff. Es kann vorkommen, dass die Dämmvliese aus Holzfasern im Laufe der Zeit durch Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit in der Mitte einsinken. Dadurch geht ein Teil der Dämmwirkung verloren. Der am WKI entwickelte Holzschaum kann dagegen mit klassischen Kunststoffschäumen mithalten: »Wir haben unsere Schaumprodukte nach den Normen, die für Dämmstoffe gelten, analysiert und in Hinblick auf die wärmedämmenden, mechanischen und hygrischen – also die Feuchtigkeit betreffenden Eigenschaften viel versprechende Werte erhalten«, so Dr. Julia Scholtyssek.

In Zukunft auch Verpackungen auf Holzbasis

Derzeit experimentieren die Braunschweiger Wissenschaftler mit verschiedenen Holzsorten, um herauszufinden, welche Baumarten sich besonders gut als Grundstoff eignen. Darüber hinaus gilt es nun, geeignete Prozesse zu identifizieren, mit denen sich solche Holzschäume auch im großen Maßstab industriell fertigen lassen. Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten des innovativen Werkstoffs nicht auf Dämmung begrenzt: Auch Verpackungen lassen sich auf Basis von Holzschaum herstellen – diese könnten auf lange Sicht das ebenfalls erdölbasierte Styropor ersetzen.