Schwimmbäder sind Energiefresser. Eine energetische Optimierung spart nicht nur Kosten, sondern reduziert auch deutlich die CO2-Emissionen. Das beweisen die Beispiele des Kunst-und Kulturhauses und Erlebnisbades im bayerischen Markt Schönberg.

Der Markt Schönberg ist der Initiator des Projekts. Die Gemeinde setzt sich zum Ziel, die kommunalen Liegenschaften mit möglichst umweltfreundlicher Energie, geringem Verbrauch und effizient zu versorgen. Ausgangspunkt war der hohe Energieverbrauch im Erlebnisbad im Markt Schönberg. Durch die Einführung eines Pool-Managementsystems sowie dem Einsatz von Hocheffizienzpumpen ließ sich der Stromverbrauch bereits reduzieren.

Zwei Häuser, eine Verbindung

Das Kunst- und Kulturhaus im Markt Schönberg

Das Kunst- und Kulturhaus im Markt Schönberg

Zunächst fasste man die Komponenten Blockheizkraftwerk und Photovoltaikanlage ins Auge. Allerdings stellte man schnell zwei Probleme fest: Aufgrund der nur knapp fünfmonatigen Nutzung des Erlebnisbades kann sich bei einem Blockheizkraftwerk keine Wirtschaftlichkeit einstellen. Um derartige Anlagen rentabel betreiben zu können sind hohe Laufzeiten erforderlich. Außerdem ist das Dach vollständig mit Schwimmbadabsorbern bedeckt, sodass eine PV-Anlage nicht zu installieren war. Da sich in unmittelbarer Nähe ein weiteres kommunales Gebäude, das Kunst- und Kulturhaus befindet, prüfte man die Idee, beide Gebäude energetisch zu „verbinden“. Vorteil: Das Haus besitzt eine nach Süden ausgerichtete Dachfläche und es könnte im Winter als Abnehmer für die vom Blockheizkraftwerk erzeugte Wärme und den erzeugten Strom dienen. Dies erwies sich als die sinnvollste Variante.

Maximale Eigenverbrauchsquoten

Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Kunst- und Kulturhauses Markt Schönberg

Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Kunst- und Kulturhauses Markt Schönberg

Das besondere an diesem Projekt: Die vom Blockheizkraftwerk effizient erzeugten Energieformen Strom und Wärme als auch der erneuerbar erzeugte Photovoltaik-Strom lassen sich beliebig zwischen den beiden benachbarten Gebäuden Kunst- und Kulturhaus und Erlebnisbad hin und her befördern. Damit ergeben sich für beide Erzeugungsanlagen maximale Eigenverbrauchsquoten. Die vom wärmegeführten Gas-Blockheizkraftwerk gelieferte Wärme bereitet zu 100 Prozent im Winter im Kunst- und Kulturhaus das Warmwasser auf und unterstützt die Heizung. Im Sommer heizt die BHKW-Abwärme zusätzlich das Badewasser des Schwimmbeckens. Der erzeugte Strom sichert zu ca. 90 Prozent den elektrischen Energiebedarf in beiden Gebäuden. Das Blockheizkraftwerk hat eine elektrische Leistung von 3 kW und eine thermische Leistung von 8kW. Die Laufzeit beträgt etwa 7.800 Vollbenutzungsstunden. Den hohen Stromverbrauch im Erlebnisbad während des Sommers deckt teilweise die 11,7 kWp-Photovoltaikanlage, die sich auf dem Dach des Kunst-und Kulturhauses befindet . Im Sommer nutzen die Betreiber den Photovoltaik-Strom zu 100 Prozent. Im Winter und in der Übergangszeit speist die Anlage geringe Mengen ein, so dass sich eine Eigenverbrauchsquote von knapp 90 Prozent ergibt.

Kosten sparen, Betriebszeit verlängern

Die neu installierten Anlagen führen zu einer Ersparnis um etwa 27.500 kWh aus dem öffentlichen Netz pro Jahr. Dies entspricht einer jährlichen CO2-Emissionsreduzierung von etwa 16,5 Tonnen. Darüber hinaus speist die Anlage rund 3.500 kWh Strom jedes Jahr ins öffentlich Netz ein. Die jährliche Energiekostenreduzierung gegenüber dem ursprünglichen Zustand beträgt etwa 7.300 €. Die statisch berechnete Amortisationszeit des Vorhabens beträgt 7,2 Jahre. Der zusätzliche Nutzen des Vorhabens liegt darin, dass sich durch die Badewasserbeheizung die Betriebszeit des Erlebnisbades um 1 bis 2 Wochen verlängert.

Das Konzept ist problemlos in anderen Regionen umzusetzen. Es kommen dabei marktreife Komponenten zum Einsatz, die sich den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten anpassen lassen. Synergieeffekte ergeben sich durch die gleichzeitige Reduzierung der Energiekosten in unterschiedlichen Gebäuden.