Neumühle_BH

Frei und ungehindert schwimmen – das können in den meisten Flüssen die Fische nicht mehr, denn unsere Gewässer sind mit Stauwehren durchzogen. Für die Fische stellen sie bei ihren Wanderungen zum Teil unüberwindbare Hindernisse dar. Das Unternehmen Baumann Hydrotec GmbH aus Wangen im Allgäu bietet eine neue Lösung an, wie Fische barrierefrei Staustufen überwinden können – den „Hydro-Fischlift“.
Die Überwindung von großen Höhenunterschieden auch über 30 Meter ist mit ein „Hydro-Fischlift“ möglich. Hierzu ist kein Windenwerk oder ähnliches erforderlich, der Hubvorgang findet auf rein hydraulischem Wege (mit der Kraft des Wassers) statt.

Schwimmkolben wirkt als Fahrstuhl

Obere Endlage


Das zentrale Bauteil des Fischliftes stellt ein Schwimmkolben dar. Er befördert die Fische mittels nachfließenden Wasser nach oben. Dort angelangt, können die Fische dann freiwillig den Lift zum Oberwasser hin verlassen. Das Verfahren benötigt nur sehr wenig zusätzliche elektrische Energie. Für die Steuerung des Hydraulikaggregats braucht es ca. 0,35kW/h. Ein entsprechendes Windenwerk weist dagegen einen Energiebedarf von ca. 6kW/h. auf.

Pilotprojekt im Baldeneysee

Für den Essener Baldeneysee ist die Umsetzung dieser Technologie als Pilotprojekt im großen Maßstab geplant. Hintergrund für die Baumaßnahme ist eine Bestimmung in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Sie fordert als eine Voraussetzung für einen guten Gewässerzustand die Durchgängigkeit von Gewässersystemen für Fische. Der Ruhrverband als Eigentümer des Baldeneysees suchte bereits frühzeitig nach einer passenden und finanzierbaren Fischaufstiegsmöglichkeit.

Neun Meter Gefälle

Der Baldeneysee im Süden der Stadt Essen ist der mit Abstand größte der insgesamt fünf Ruhrstauseen des Ruhrverbands. Die in den 1930er Jahren errichtete Stauanlage, die rund neun Meter Gefälle erzeugt, sowie das nach dem Zweiten Weltkrieg gebaute Wehr am Kettwiger Stausee stellen zwei der letzten Wanderhindernisse für Fische im Unterlauf der Ruhr dar. Das nunmehr eigens für den Baldeneysee entwickelte Fischliftsystem wird aus zwei alternierend betriebenen Zylinderkörpern und einer im Unterwasser angeordneten Vorkammer bestehen. Baulich soll dieses System im Bereich eines ehemaligen Rückpumpwerks zwischen Wasserkraftanlage und Bootsschleuse angeordnet werden. Wegen der beengten Lage an beiden Stauwehren mitten im städtischen Siedlungs- und Freizeitraum wären herkömmliche Aufstiegsbauwerke wie technische Fischpässe und Umgehungsgewässer nicht nur kostenintensiv, sondern auch bautechnisch schwer umsetzbar. Im Januar 2016 sollen die Bauarbeiten beginnen.