Bandstahlrollen, sogenannte Coils, haben ein Problem: Ihre auf Hochglanz polierten Oberflächen sind sehr empfindlich. Bereits bei der Lagerung und ihrem Transport können kleine Steinchen, Späne oder Unebenheiten das Material beschädigen und für die weitere Verarbeitung unbrauchbar machen. Schadhafte Coils sind Schrott und kosten die weiterverarbeitende Industrie Jahr für Jahr Millionen. Ursache ist häufig ein unzureichender Schutz gegen äußere mechanische Einflüsse. Bei Stoßbelastungen etwa können die herkömmlichen Hartfaserstreifen, mit denen die tonnenschweren Stahlrollen gesichert werden, den Druck des Gewichts oftmals nicht ausreichend aufnehmen. Das Unternehmen Reinhard Krückemeyer GmbH & Co.KG aus dem siegerländischen Winsdorf hat für diesen Fall eine Lösung gefunden: alte Autoreifen.

Die ausgemusterten, recycelten Reifen werden in Bänder geschnitten und per Hand um die empfindlichen Stahlrollen gewickelt. Sie bieten so einen optimalen Schutz dank ihrer kombinierten Wirkungen von Gummi und Gewebeband. Ressourcen schont RK Coil Protect bereits bei der Herstellung. Hierfür sorgt zum einen das recycelte Basismaterial, zum anderen die Fertigung in Handarbeit nahezu ohne Energieaufwand. Als Verschluss bietet Krückemeyer drei Varianten an: ein Klettverschluss-System, Magnete oder Spanngurte.

Zahlreiche Versuche waren nötig

Bis Krückemeyer den richtigen Materialmix gefunden hatte, experimentierte die Firma unter anderem mit Fleece-Material und einer Kombination aus mehreren Klebebandlagen. Stets zeigten sich jedoch bereits nach kurzer Zeit deutliche Scheuer- und Kratzspuren im Stahl. Da das Metall häufig zu Feinstblechen von Millimeterbruchteilen Stärke weiterverarbeitet wird, bedeuten bereits solche oberflächlichen Spuren eine starke Beschädigung. Der hauchdünn gewalzte Stahl kommt beispielsweise als Frontblende bei Weißer Ware wie Küchengeräten zum Einsatz – und als noch wesentlich dünnwandigere Variante bei der Herstellung von Kaffeekapseln. Erstklassiges Material ist hier Voraussetzung.

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Mehr als 2000 Tonnen weniger Schrott in einem Jahr

Wirklich beeindruckend ist die Ersparnis auf der Kostenseite: So konnte ein Kunde aus der Edelstahlbranche durch die innovativen Schutzbänder innerhalb eines Jahres in nur einem Werk ein Einsparpotenzial von 2.040 Tonnen Stahl verbuchen. Dies entspricht rund 100 Coils mit dem Standardgewicht von 20 Tonnen, was einem Wert von 2,55 Millionen Euro entspricht. Mittlerweile ist das Produkt bereits bei fünf weiteren Unternehmen im Einsatz. Doch nicht nur die Verringerung von Ausschuss spart Geld. Auch die Kosten für die Entsorgung der nicht recycelbaren Hartfaserbänder entfallen komplett, denn RK Coil Protect ist bis zu 20-mal wiederverwertbar.
„RK Coil Protect zeigt beispielhaft, dass auch vergleichsweise einfache Systeme zu signifikanten Materialeinsparungen führen können und dass sich ein ,grünes Produkt‘ rechnet, wenn die gesamten Prozesskosten betrachtet werden“, sagt Firmenchef Jan Krückemeyer. In der Anschaffung ist die Neuentwicklung zwar aufwendiger als herkömmliche Produkte, unterm Strich können die Kunden damit aber einen deutlich höheren Betrag einsparen.

Die Entwicklung von RK Coil Protect eröffnet für Krückemeyer ein komplett neues Geschäftsfeld neben dem Vertrieb von Schleifmitteln und Klebebändern für Industrie, Handel und Handwerk. Nach erfolgreichem Anlauf will das Unternehmen den Coilschutz jetzt auch international stärker vermarkten und die Anwendung ausweiten. Beispielsweise bietet sich das einfache, aber effiziente System auch als Verpackungs- und Transportlösung für dünnwandige und hochwertige Metallrohre sowie für Kupfer- und Aluminiumcoils an, beides Rohstoffe, die noch wertvoller sind als Stahl. Entsprechend größer fällt das Einsparpotenzial aus. Darüber hinaus prüft das Wilnsdorfer Unternehmen ein Pfandsystem für RK Coil Protect.

RK Coil Protect, ausgezeichnet mit dem Effizienz-Preis NRW 2013